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Franz Joseph Dölger-Institut

zur Erforschung der Spätantike

Call for Papers - Grenzüberschreitungen im antiken Christentum. Jahrestagung des AK Patristik

22.12.2019

Eichstätt 20.-22. März 2020

Grenzen sind meist nicht unmittelbar sichtbar. Im Laufe der Geschichte haben sie sich in verschiedensten Bereichen durch historisch-politische und sozial-gesellschaftliche Entwicklungen konstituiert. Zugleich sind sie wandelbar, sogar vergänglich. Die Funktion und Wirkung der Grenze ist immer ambivalent: Einerseits ordnet und strukturiert sie Lebenswirklichkeiten und verleiht so Orientierung; andererseits schafft sie zwar Zugehörigkeit (Inklusion), zugleich aber auch Trennung und Absonderung (Exklusion). Der Fokus der Tagung soll auf verschiedenen „Grenzüberschreitungen“ im antiken Christentum liegen. Hierbei sollen Grenzüberschreitungen als ein prozesshaftes Geschehen, das durch seine innewohnende, potente Eigendynamik vielfältige und diverse Begegnungen und Transformationen ermöglicht, verstanden werden. Bewusst wird mit der zweifachen Bedeutungsebene des Begriffs „Grenzüberschreitung“ gespielt: In einer negativen Verwendung meint er, dass Grenzen verletzt bzw. gewaltsam gebrochen werden. In der positiven Deutung wird damit jedoch auch ausgedrückt, dass Grenzen verändert, verschoben und überwunden werden können. Grenzüberschreitungen sind also komplexe Phänomene, die in großer Vielfältigkeit auftreten und unterschiedliche historische Prozesse (Ausbreitung des Christentums, Übersetzungen, Konzilsentscheidungen etc.) charakterisieren. In einem interdisziplinären Zugang sollen Grenzüberschreitungen in den folgenden vier Bereichen gewinnbringend betrachtet werden: Raum und Zeit, Theologie und Religiosität, Sprache und Kultur, Gesellschaft und Recht. Folgende beispielhaften Themenvorschläge können als Inspiration dienen:
- Räumliche und zeitliche Grenzen überschreiten
- Migrations- und Fluchtbewegungen (inkl. deren Deutung)
- Leben an den Grenzen des Reiches: Peripherien
- Phänomene der longue durée
- Schwellenepochen: „Schon“ und „noch nicht“?
- Theologische und religiöse Grenzen überschreiten
- (mystische) Transzendenzerfahrungen
- Formen der Ab- und Ausgrenzung (Exkommunikation, Exil)
- Missionare, Asketen, Pilger
- Interreligiöse Begegnungen
- Sprachliche und kulturelle Grenzen überschreiten
- Übersetzungsarbeiten
- Sprachliche Barrieren und Missverständnisse
- Interkulturelle Begegnungen und Transformationsprozesse
- Austausch zwischen Ost und West: Konzepte und Persönlichkeiten
- Soziale und rechtliche Grenzen überschreiten
- Konversion und soziale Auf- und Abstiege
- Pagane und christliche Ämterlaufbahnen
- (Gewaltsame) Expansionsbewegungen
- Grenzziehungen auf Konzilien und Synoden

Die nächste Jahrestagung des Arbeitskreises Patristik wird vom 20. bis 22. März 2020 an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt stattfinden. Sie wird organisiert von Katharina Reihl (Lehrstuhl für Alte Kirchengeschichte und Patrologie) und Joachim Braun (Stiftungsprofessur Prinz Max von Sachsen für Theologie des Christlichen Ostens), in enger Abstimmung mit Stefan Pabst (Lehrstuhl für Alte Kirchengeschichte, Patrologie und Christliche Archäologie, Ruhr-Universität Bochum).
Teilnahmemöglichkeiten:
- Teilnahme mit Vortrag: Interessierte werden gebeten, ein kurzes Exposé (eine DIN A4-Seite; PDF-Format) bis spätestens 22. Dezember 2019 per Mail an kontakt@ak-patristik.de einzureichen. Nach Eingang der Anmeldungen wird das Tagungsprogramm erstellt. Eine nachträgliche Veröffentlichung der Beiträge ist geplant.
- Teilnahme an der Postersession: Zusätzlich zu den inhaltlich an das Jahresthema gebundenen Vorträgen soll eine thematisch freie Postersession stattfinden. Sie bietet Raum, eigene Forschungsarbeiten vorzustellen und zur Diskussion zu stellen. Es wird um formlose Anmeldung mit Angabe eines vorläufigen Themas gebeten bis spätestens 22. Dezember 2019 per Mail an kontakt@ak-patristik.de.
- Teilnahme ohne Vortrag/Poster: Eine Teilnahme ohne Vortrag/Poster ist möglich und erwünscht. Hierfür wird ebenfalls um formlose Anmeldung bis spätestens 31. Januar 2020 per Mail an kontakt@ak-patristik.de gebeten. Dieser Call for Papers richtet sich sowohl an den wissenschaftlichen Nachwuchs in jeglicher Arbeitsphase einer Qualifikationsarbeit als auch ausdrücklich an Post-Docs der verschiedenen Disziplinen (z.B. Theologie, Altphilologie, Geschichte, Judaistik, Philosophie, Archäologie, Byzantinistik), mit der gleichzeitigen Bitte um Weiterleitung an interessierte Kreise. Nähere Informationen zu Anreise, Unterkunft etc. folgen zeitnah (Homepage). Wir freuen uns auf eine interessante Jahrestagung 2020 in Eichstätt!
Katharina Reihl, Joachim Braun und Stefan Pabst